RICHTEX:
TAG:WERKE
Die
leuchtend-bunten Bildtafeln (zitieren) mit je 24 Motiven (das macht
immerhin 288 Einzelteile) ... TAG:WERKE nennt der Künstler sie,
in Anspielung auf seine private Zeitökonomie (die .... auch die
Zeit des Schlafens umfaßt) - das kollektive und öffentliche
Phänomen der Bilderflut. Thematisiert wird hier überdies
durch die Menge der Blätter der Bereich der Arbeit, welcher als
gesellschaftliches wiederum ein öffentliches Phänomen ist.
Richtex hat für seine TAG:WERKE, entsprechend seiner Praxis, in
Netzwerken zu arbeiten, Freunde und Bekannte um Bilder gebeten. (Er
läßt also auf diese Weise private Kreise interagieren und
verhält sich so wie in einem überschaubaren öffentlichen
System.)
Mit
den Mitteln der digitalen Bildbearbeitung und unter Berücksichtigung
eines vom Künstler erarbeiteten graphischen Regelsatzes ... hat
Richtex diese Motive dann den Gesetzen der eigenen Bildauffassung
unterworfen - wobei Zufall und Überraschung durchaus als
Faktoren ins Spiel kommen. Es handelt sich dabei - unter
Berücksichtigung der Vorgänge rund um das Schaf Dolly und
neuer technischer Möglichkeiten der Bildgeneration - um
Klonierungsexperimente, bei denen der Originalbegriff parodiert
wird (Baudrillard).
(Johanna
Hofleitner, Eröffnungsrede zu PRIVAT)
Richtex
TBM
Temporäre
Bild-Maschine
Die
Temporäre Bild-Maschine ist ein Konstrukt wider die Bilderflut,
erzeugt aber selbst Bilder, und zwar durch Mißbrauch
eines Bildbearbeitungsprogramms.
Die
Temporäre Bild-Maschine ist ein Regelwerk, das auf dessen
Features beruht und daraus eine Auswahl trifft, um Bilder einer
einheitlichen Gestaltungsidee zu unterwerfen und daraus neue
Bild:Einheiten zu erzeugen.
Die
Temporäre Bild-Maschine bemächtigt sich nur solcher Bilder,
die bereits veröffentlicht wurden, das heißt, aus einem
Printmedium stammen. Es gibt also einen Grundraster, der vorbereitend
über die sichtbare Welt geworfen wurde, um sie reproduzierbar zu
machen.
Ein
wichtiger Aspekt der Temporären Bild-Maschine ist die Auflösung
der Welt in Bildpunkte, ihre Pixelisierung, das heißt, auch
Binärisierung. Die bereits vorhandene Bilderwelt verschwindet
auf der einen Seite des Rechners und wird pixelisiert, um dann auf
der anderen frisch und gewalttätig wieder aufzutauchen, in einer
rundum erneuerten Gestalt.
Die
Temporäre Bild-Maschine ist demnach auch eine Recylingmaschine,
dient als ein Symbol dafür, daß Dekonstruktion, die
Zerstörung und Auflösung des Vorhandenen, auch konstruktiv
genützt werden kann.
Die
Welt ist vor allem eine Sammlung von Blick-, damit Bildfundstücken.
Die Visualität beherrscht die Moral, ist selbst Moral, nicht im
Sinne von Ästhetik, sondern im Sinne von Menschen- und
Weltanschauung. Das Füllhorn - auch Sammelsurium - der Welt
bedarf einer Ordnung, eines Instruments, das Ordnung, die auch nur
eine temporäre sein kann, ermöglicht.
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