KARITAS

Inhalt
*EINE AKKUMULATION
*DIE SAMMLUNG
*KLEIDER
*VOM WUNSCH EIN ALIEN ZU SEIN
*KLEIDER LACHEN MEUTE
*UNTERHALTUNG UND WISSEN
*BESTANDS AUFNAHME
*BEGLEITUNG BEHAUSUNG
*UNSER IMMER - WIEDER - AN - UND - ENTKLEIDEN
weiter

EINE AKKUMULATION




KARITAS. EINE AKKUMULATION wurde im April 1994 in der Galerie Donauraum in Wien realisiert. Dabei hatte das eigene Sammeln der Kleidungsstücke zuerst einmal Vorrang, und ich konnte zwischen den Personen, die mir ihre Kleidungsstücke spenden wollten, ein Netz von Bezüglichkeiten aufspannen und sie teilweise einander auch persönlich näherbringen. Da mir die Spenderinnen und Spender alle bekannt waren und ihre Kleidungsstücke in der Reihenfolge der Übergabe numeriert wurden, waren sie diesen zuzuordnen. Deshalb sind die einzelnen Personen über ihre Spenden noch immer rekonstruierbar.


Weil es sich um einen Innenraum handelte, dessen Decke um die Kleiderlänge abgesenkt werden konnte, war die Grundidee, diesen durch die Hängung der langen Kleidungsstücke an den äußeren Raumkanten und der kürzeren zur Raummitte hin kuppelartig umzuformen.


„Eine Tonne über dem Kopf, aneinandergepreßte Stücke, starr hängend, senkrecht herabfallend als Folge des Eigengewichts, auf eine bestimmte Anzahl von Menschen verweisend, die nichts miteinander zu tun hatten, auf den vielfältigen Gesamtkörper der Spender. Hinter den vereinigten Kleidern vereinigen sich die Spender, und sie sind da oben, lauernd, und zugleich abwesend, weg, nirgendwo mehr. Ebenso ist das alles ein Baldachin, der sich nicht vom Fleck rührt, auf Stelzen, die auch den Raum, das gesamte Haus stützen müssen. Die Kleidermasse ersetzt die Decke, das Dach dahinter, das vielleicht schon weggeweht ist. Dazu noch das Gerüst, der Baubranche entlehnt, dem allgemeinen Arbeitsbereich, aus dem das Bild der nach oben gezogenen Overalls stammt, unter dem so Platz zum Essen entsteht, was alles den allgemeinen Lebens- und auch den Kunstbereich stützt."


Infolge der zunehmenden Vertrautheit mit den Kleidungsstücken fiel es mir schwer, sie weiterzugeben. Daher war es naheliegend, sie zumindest zu fotografieren. Es ging dabei um einen Nahblick, um das durch die Benützung Individuelle auszumachen. So entstanden aus jeweils 60 Einzelvergrößerungen zwei Fotoarbeiten in den Maßen 400 x 180 cm, die im zweiten Raum der Galerie gezeigt wurden.


Ein weiterer Aspekt des damaligen Projekts, der sich daraus ergab, daß mir viele Spenderinnen und Spender Geschichten zu den Kleidungsstücken erzählten, war das Sammeln von Textspenden zum Thema Kleidung. Eine Auswahl daraus ist im folgenden abgedruckt.



[home] [weiter]