CULT - EINE EXPANSION
(Abgedruckt in der Zeitschrift WESPENNEST, 4/1988)
Inhalt
*Kapitel 1
*Kapitel 2
*Kapitel 3
*Kapitel 4
*Kapitel 5
*Kapitel 6
weiter

1


Im Herbst 1985 suchte der Künstler und Kunsterzieher Erich Praschak ein neues Atelier, wurde dann nach einiger Zeit auf die beiden Kellerräume im Haus Wien 1., Postgasse 13, aufmerksam gemacht und fand dort Gegebenheiten vor, die etwa dem entsprachen, was ihm schon zu Akademiezeiten vorgeschwebt war, sodaß er sich schon nach der ersten Besichtigung sagen mußte: Das wird eine Galerie. Den Mietvertrag unterschrieb er im Jänner 1986. Zur Eröffnung kam es aber erst im Juni, weil eine Adaption nötig war; aber vor allem deshalb, weil sie ein Rechtsstreit der Hausparteien, die zum Teil miteinander verfeindet waren, immer wieder hinauszögerte.

Praschak hatte anfangs sehr wenig Kontakt zu anderen Künstlern, weshalb er mit einer Gruppenausstellung mit Zeichnungen von 24 Personen, unter dem Titel Hirn-Herz-Hand, startete. Kurz vorher war in einer ehemaligen Kleiderfabrik beim Kohlmarkt die Ausstellungsserie „Das offene Auge" über die Bühne gegangen, ohne daß die Auswahl der Künstler einen repräsentativen Querschnitt durch die Wiener Kunstszene dargestellt hatte und ein bestimmtes Konzept sichtbar werden ließ. Deshalb nahm die erste CULT-Ausstellung den Charakter einer Gegenveranstaltung mit

den dort nicht Berücksichtigten an und bewirkte eine euphorische Aufbruchstimmung, die zur Identitätsfindung einer kleineren Gruppe beitrug.

Im Herbst 1986 stieß Karl Heinz Bloyer, den Praschak von der Akademie her kannte, hinzu, und das damalige Arbeitsmodell wird auch noch jetzt so praktiziert: Die Konzepte und die Organisation der einzelnen Ausstellungen besorgen sie beide zusammen, den Journaldienst teilen sie sich auf.

Damals fanden die ersten Einzelausstellungen statt, die auch dazu dienten, die Galeristentätigkeit von der Pike auf zu lernen, mit der Presse die ersten Kontakte herzustellen und um den Fortbestand der Galerie weiterzukämpfen. Bald war ihnen klar geworden, daß die CULT als Produzentengalerie weitergeführt werden sollte: Praschak und Bloyer blieben die Animatoren und Organisatoren, nahmen zugleich aber viele Anregungen von außen auf, in der Absicht, das Ganze lebendig und spannungsreich zu erhalten, ein Prinzip, das den Künstlern verdeutlichen sollte, daß sie hier nicht - wie so oft woanders - ausgenutzt und hineingelegt wurden. Die Galeristen stellten die Räume und die Organisation zur Verfügung, ohne für die Arbeit etwas zu kassieren; die Künstler kamen für die Miete und die anderen Unkosten auf.



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